Kolloquium Mi. 01.07.2020

Ort: ZOOM
Zeit: 18:00–19:30

18:00 Prof. Dr. Hannes Rakoczy (Kognitive Entwicklungspsychologie . Georg August Universität Göttingen):
The development of explicit and implicit Theory of Mind in early childhood and beyond

Wann erwerben Kinder eine “Propositional Attitude Folk Psychology“ bzw. „Theory of Mind“? Die übliche Antwort auf diese zentrale Frage der Theory of Mind-Entwicklungs-Forschung war lange, dass Kinder in etwa ab einem Alter von vier Jahren beginnen, „Beliefs“ und andere Konzepte der „propositional attitudes“ zu verstehen und zu nutzen. Diese „Orthodoxie“ ist neuerdings jedoch von zwei Seiten ernsthaft angegriffen worden: Spötter beklagen, dass die frühe Kompetenz der Kinder überschätzt wird und behaupten, dass ein richtiges Verständnis von „propositional attitudes“ erst viel später entsteht. Befürworter kritisieren die Orthodoxie dafür, dass sie frühe Kompetenzen unterschätzt und behaupten, dass bereits Säuglinge „Beliefs“ zuschreiben. In diesem Vortrag wird die Orthodoxie auf empirischer Grundlage gegen beide Arten der Kritik verteidigt. Neuere Befunde können nicht nur beide Sichtweisen entkräften, sondern sogar die bisher vorherrschende Sichtweise stärken, bestätigen und weiter ausdifferenzieren: Im Alter von 4 Jahren entsteht eine explizite, einheitliche, flexible konzeptuelle Fähigkeit, „propositional attitudes“ zuzuschreiben. Diese einheitliche konzeptuelle Fähigkeit steht im Kontrast zu den weniger komplexen, weniger einheitlichen impliziten Formen, einfachere mentale Zustände verfolgen zu können, die in der Ontogenese viel früher vorhanden sind. Diese verbesserte Variante der Orthodoxie lässt sich am besten als eine Art 2-Systeme-Sichtweise der Theory of Mind beschreiben.

ZOOM-Link bitte erfragen bei: kohlmann@fh-potsdam.de