Colloquium Wed 18.11.2020

Ort: Zoom
Zeit: 18:00–19:30 Uhr

18:00 Stefanie Höhl (Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung . Universität Wien):
Warum Kinder (fast) alles nachahmen

Der moderne Mensch hat alle Kontinente dieser Erde besiedelt und ist in der Lage unter unterschiedlichsten Bedingungen zu überleben. Interessanterweise unterscheidet sich ein Mensch, der in der Arktis lebt, genetisch kaum von einem Menschen, der in der afrikanischen Savanne lebt. Andere Spezies hingegen, die in vielen unterschiedlichen Teilen dieser Erde leben, haben sich im Laufe der Evolution genetisch an die unterschiedlichen Lebensräume angepasst und spezialisiert. Wie schaffte es der Mensch ohne eine solche genetische Anpassung in unterschiedlichsten Lebensräumen zu überleben? Ein vermutlich zentraler Grund ist, dass unsere Spezies in der Lage ist kulturelles Wissen weiterzugeben. Indem wir Wissen weitergeben und von anderen Menschen lernen, sind wir in der Lage von all dem Wissen, welches sich über Jahrhunderte angesammelt hat zu profitieren. So muss beispielsweise ein Kind, welches in einem Jäger und Sammler Volk in der afrikanischen Savanne lebt, nicht selbst herausfinden, dass bestimmte Wurzeln als Wasserspeicher dienen, sondern es kann dies von anderen lernen und dieses Wissen später selbst weitergeben. Soziales Lernen ist somit überlebensnotwendig für die Spezies Mensch. Ein wichtiger sozialer Lernmechanismus ist Imitation. Aktuelle Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass Menschen im Vergleich zu anderen Spezies besonders gut darin sind, andere Individuen zu imitieren. Menschen imitieren um Zugehörigkeit zu zeigen, aber auch um voneinander zu lernen. Durch Imitation können wir beispielsweise lernen, wie komplizierte Apparate oder Werkzeuge bedient werden, aber auch wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten sollen, wann wir bestimmte Regeln beachten müssen und wie bestimmte Rituale ausgeführt werden. Wir Menschen imitieren so eifrig, dass wir auch Handlungsschritte nachahmen, die offensichtlich kausal unnötig sind um ein gegebenes Ziel zu erreichen. Diese Form von Imitation wird als „Überimitation“ bezeichnet. Schimpansen hingegen ignorieren solche Handlungsschritte, sobald sie als kausal irrelevant identifiziert werden können. Überimitation scheint somit ein Lernmechanismus zu sein, der Menschen von Affen unterscheidet und entgegen dem ersten Anschein sehr nützlich sein könnte. In meinem Vortrag stelle ich eine Reihe von Studien vor, die darauf ausgerichtet sind die Mechanismen von Überimitation genauer zu ergründen und untersuchen, welche Faktoren das Auftreten von Überimitation begünstigen.